ANIMEXX INTERVIEW:

Ginji lässt den Betrachter seiner Galerie in eine fantastische Welt eintauchen. Atemberaubende Landschaften, Gebäude und Figuren beeindrucken mit ausdrucksstarken Farben. Ganz genau wählt Ginji die Töne seiner Bilder aus, um mit deren Wirkung den richtigen Eindruck zu vermitteln.

PART I


Animexx: Wie lange zeichnest du schon?

Ginji: Wie einige Zeichner und Künstler schon ziemlich lange. Wahrscheinlich sogar seit ich einen Stift in der Hand halten kann.


Animexx: Gab es ein Schlüsselerlebnis, dass dich zum zeichnen gebracht hat? Wenn ja, welches?

Ginji: Angefangen zu Zeichnen habe ich als kleiner Bub wahrscheinlich eher instinktiv. Aber es gab ein paar Schlüsselerlebnisse, die mich zeichnerisch sehr geprägt haben. Mein Vater hat mir mal als Kind versucht, mir ein paar perspektivische Regeln aus einem Arbeitsbuch zu erklären. Obwohl ich damals nicht viel davon verstanden habe, konnte ich ein paar Dinge schon umsetzen. Ich wusste mit ca. 5 Jahren bereits, dass ein Haus nicht nur aus einer Frontseite besteht.

 

Animexx: Blieb dein Stil konstant, oder hat er sich tiefgehend verändert? Wenn ja, wie?

Ginji: Mein Stil und meine Interessen haben sich im Verlaufe der Jahre ein paar Mal stark verändert: Angefangen habe ich, als Kind Landschaften und riesige Städte auf meterlangen Bauplanrollen zu zeichnen. Später fing ich an, Comicbänder zu zeichnen, ohne jeglichen Sinn oder Logik. :) Es ging mir einfach nur ums Zeichnen und weniger um das Ergebnis. Mit ca. 11 Jahren fing ich an, mich für die Mangawelt zu interessieren. Ausschlaggebend war wohl, wie bei vielen hier, die Serie Sailor Moon, von der ich damals sehr fasziniert war (jaja, meine Jugendsünde :) 10 Jahre verbrachte und zeichnete ich im Manga-Bereich und das eher schlecht als recht. Mit dem Älter werden legte sich dieses Interesse aber mehr und mehr und ich fing langsam an, mich mit den Grundlagen des Zeichnens auseinanderzusetzen, Vergleiche anzustellen und richtig zu üben. Inspiriert von einigen Konzeptkünstlern fand ich wieder zum Landschaftsdesign zurück.

 

Animexx: Wer hat dir auf deiner Laufbahn beigestanden und dich unterstützt?

Ginji: Ganz klar meine Eltern, die meine Träume immer respektiert und gefördert haben.

 

Animexx: Auf welche Dinge legst du bei deinen Bildern besonders wert?

Ginji: Primär ist Atmosphäre für mich das wichtigste Element in einem Bild. Jedoch braucht es viele weitere Komponenten, die zu einer dichten Atmosphäre beitragen. Sekundär kann ich also sagen: Komposition und Details, Schärfe und Unschärfe, Perspektive, Farbwirkung, Licht und Schattenspiel.

 

Animexx: Gibt es Dinge, die dir beim Zeichnen besonders schwer fallen?

Ginji: Menschliche Anatomie gibt mir häufig Kopfzerbrechen und fällt mir besonders dann schwer, wenn sie noch mit Dynamik kombiniert werden soll. Also Kampfszenen oder viele interagierende Charaktere, um ein paar zu nennen. Ich muss mich mit solchen Sachen viel mehr auseinandersetzten als jetzt zum Beispiel mit Architektur oder Perspektive.

  

Animexx: Was glaubst du, macht deinen Stil aus?

Ginji: Ich denke, dass die detaillierten und fantasievollen Darstellungen von Umgebungen ein paar meiner Markenzeichen sind. Ebenso der Tradigitale Aspekt, bei dem ich versuche, die Grenzen zwischen Digitaler und Analoger-Kunst verwischen zu lassen. Viele haben mir schon gesagt, dass meine Bilder wie Acryl oder Ölbilder aussehen!

 

Animexx: Mit welchen Medien arbeitest du am liebsten und warum?

Ginji: Mit Photoshop und einem Tablett arbeite ich natürlich am liebsten, weil man mit verhältnismässig wenig Material und Kosten Großes erreichen kann. Da ich viel Zug fahre, bin ich auch oft mit meinem Sketchbook unterwegs. Ich mag es, mal abzuschalten und spontan etwas zu scribbeln. Und seit einiger Zeit male ich mit Acryl auf Leinwand, hauptsächlich Abstrakt. Hier gefällt mir vor allem der handwerkliche Aspekt. Ich mag es, bei solchen Bildern mit der Farbe so richtig regelfrei zu klecksen!

 

Animexx: Welche Aussagen stecken hinter deinen Motiven?

Ginji: Das ist immer sehr verschieden. Ich arbeite mehr intuitiv und eher weniger konzeptionell, von daher kann man von meinen persönlichen Bildern oftmals ablesen, wie meine Stimmung in diesem Moment gerade war. Bei Arbeiten auf Auftrag ist es natürlich gerade umgekehrt, da man sich an Vorgaben und Skizzen halten muss. Da ist es klar, dass weniger persönliche Aspekte mit einfliessen können.

 

Animexx: Was inspiriert dich?

Ginji: Eigentlich sehr vieles, besonders diverse Elemente aus der Realität: Architektur, modern und altertümlich, die Natur, Wolkenbilder und Farben. Aus der Medienwelt oftmals Computerspiele, Bücher und Filme. Und natürlich auch andere Künstler.


Animexx: Ist Zeichnen für dich nur ein Hobby, oder hast/willst du es zum Beruf machen?

Ginji: Es ist für mich beides geworden. Vorwiegend eine Leidenschaft oder ein Hobby, aber auch Teilzeit Beruflich für Verlage und private Personen. Zwar ist es ein Ziel, später noch etwas mehr Fuss zu fassen in der Branche, aber zum Hauptberuf muss es nicht unbedingt werden, da ich das Zeichnen auch nicht zur Routine werden lassen will. Eine ausgeglichene Kombination aus Hobby und Job wäre für mich Ideal.


Animexx: Hast du ein Vorbild?

Ginji: Concept Art Grössen wie Sparth oder Craig Mullins sind für mich grosse Inspirationen. Auch Maler aus der früheren Zeit wie Da Vinci, Böcklin und Rembrandt faszinieren mich immer wieder mit ihrer Perfektion und Leidenschaft, mit welcher sie ihre Bilder gemalt haben.

Animexx: Wie lange brauchst du in etwa für ein Bild?

Ginji: Das ist ganz unterschiedlich, je nach Motiv und Ausarbeitungsgrad. Es gibt Speedpaintings, die nach ca. 2 Stunden vollendet sind. Skizzen nehmen sogar noch weniger Zeit in Anspruch. Auf der anderen Seite gibt aber auch Projekte und Illustrationen, die klarer Lesbarer und Detaillierter werden sollen und gut über 25 Stunden Arbeitszeit beinhalten. An einem Bild sass ich sogar mal über 80 Stunden.


Animexx: Welchen Tip hast du an andere Zeichner, außer Übung natürlich?

Ginji: Hier ein paar Tipps um das zeichnen vielleicht aus einer etwas anderen Perspektive anzusehen:

  1. 1)Öffnet eure Augen. Die Realität beinhaltet alle nötigen Ressourcen, Farben und Formen und die ist somit der beste Inspirationsgeber.

  2. 2)Setzt vergleiche mit Anderen, zeigt eure Bilder mit Stolz, akzeptiert aber auch Kritik (nur konstruktive selbstverständlich). Und messt euch immer an den Besten!

  3. 3)Wenn ihr nicht eine extrem Technische Zeichnung machen müsst, versucht mal vom zu starken Kopfdenken und Gedankenspiralen wegzukommen. Nach Betty Edwards Buch „Garantiert Zeichnen lernen“ hilft es, vermehrt die rechte Hirnhälfte zu benutzten, die mehr intuitiv und vereinfacht vorgeht als die Linke. Versucht euch mal, vor dem eigentlichen Malprozess ein wenig Zeit zu nehmen, um Entspannungsübungen wie Autogenes Training zu machen, oder Visualisiert das Bild an dem ihr gerade Arbeitet ganz detailliert. Bei der Entspannung wechseln Hirnströme vom Beta-Bereich in den Alpha-Bereich Ich habe durch meinen Beruf gelernt, dass solche Aspekte das Zeichnen (und auch viele andere Dinge im Leben) sehr unterstützen und vereinfachen können.


Animexx: An welchen Orten zeichnest du am liebsten?

Ginji: Bei mir zuhause am Computer, irgendwo in einem Café oder im Zug.


Animexx: Gibt es seltsame Angewohnheiten, die du beim Zeichnen hast?

Ginji: Ich mime ab und zu den Gesichtsaudruck meiner Figuren oder nehme ihre Posen an um zu spüren, wie das ungefähr aussehen könnte XD


Animexx:Aus welchem Grund zeichnest du? ("Aus Spaß" zählt nicht als Antwort! ;) )

Ginji:Es ist eine Art Ausgleich für mich und hilft mir bei privaten Projekten oftmals beim entspannen.


Animexx: Wie hilfst du dir aus einem KreaTief heraus?

Ginji: Ich versuche dann nicht zuviel darüber nachzudenken und etwas anderes zu tun. Wenn man in der Branche arbeitet, kann man sich über eine längere Zeit jedoch kein KreaTief erlauben. Es muss klappen, auch wenn man ev. wesentlich länger an einem Bild sitzen muss.


Animexx: Welche Musik hörst du beim Zeichnen?

Ginji: Ich höre viele Soundtracks aus Spiel- und Film-Bereich und bin allgemein sehr angetan von Soundtracks aus Final Fantasy oder Herr der Ringe. Ich mag es besonders, wenn die Musik gleich auch zu meiner Stimmung oder dem Bildthema passt.


Animexx: Nehmen wir an du sitzt auf einer einsamen Insel fest, ob in der Hitze oder Kälte sei dir überlassen, und du hast weder Stift noch Papier, wie lässt du deine Kreativität aus?

Ginji: Ich mache eine tägliche Soap-Show mit einer angemalten Kokosnuss als Hauptdarsteller ;) Ab und zu gibt's Gastauftritte von Affen oder Haien. Ne im ernst, ich hätte keine Ahnung. Ich glaube auf einer einsamen Insel wäre das überleben vorerst wichtiger, als mich künstlerisch zu betätigen.


Quelle: animexx.de

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